DES CHOSES QUE JE SAIS DEPUIS TOUJOURS Collectif POMO (GE)
Sprache:
Französisch
Dauer:
60
Veranstaltungsort:
Alte Reithalle Ost
Junge Menschen erforschen die Themen Intimität und Verlangen basierend auf persönlichen Geschichten und Erfahrungen in der Form eines Chorgedichts.
Seit drei Jahren beschäftigen sich mehr als zwanzig eher junge Menschen mit einem Thema. Was ist die Intimität? Das Verlangen? Die sexuelle Erziehung?
Ausgehend von diesem Thema bauen wir ein Theaterstück. Und das überfordert uns sehr schnell.
In diesem Raum des Vertrauens, der Sanftheit und der Zärtlichkeit beginnt jede:r am Montagabend zu schreiben.
Zu schreiben. Zu sprechen. Zu sagen. Zu erzählen. Sich selbst zu erzählen. In Worte zu fassen. Erinnerungen, Empfindungen, Freundschaft, Vergnügen, Liebe, Scham, Gewalt, Siege und Niederlagen in Worte zu fassen. Man beginnt laut zu teilen, schliesslich handelt es sich um Theater.
Geschichten klingen zusammen und lassen neue Erzählungen, Erinnerungen, Zeugnisse, Anekdoten entstehen.
«Des choses que je sais depuis toujours» ist ein Schreibprojekt, eine musikalische Komposition und eine Aufführung in Form eines zeitgenössischen Chorgedichts rund um den Körper, das Intime und das Geschlecht.
Vor der Veranstaltung findet die Festivaleröffnung im Festivalzentrum neben der Alten Reithalle statt.
Nach der Vorstellung findet «nachgefragt»* statt.
Kollektive Stückerarbeitung nach einer Inszenierung von Michele Millner und Naïma Arlaud
Text: Kollektives Schreiben der Teilnehmenden in Workshops
Spielende: Eteocle Alric, Sarah Bussy, Nora Cupelin, Arben Rexhepi und Natalia Vonlanthen
Komposition und Musik: Yves Cerf und Mael Godinat
Körperarbeit: Jeanne Pasquier
Technik: Jules Bovard
Outside eye: Marie Bondolfi, Zoé Sjollema, Camille Tavelli
Illustration und Szenographie: Karine Deluz
Gedanken aus der Programmgruppe
«Je suis fâché“»– Ich bin wütend. So beginnt Des choses que je sais depuis toujours: mit einem kollektiven Aufschrei, getragen von Stimmen, Körpern und Blicken. Doch diese Wut ist keine leere Geste. Sie ist eine politische Kraft. Sie wird zur Bewegung, zum Widerstand, zum geteilten Impuls, der sich in kollektiven Aktivismus verwandelt – und ansteckend ist.
Das Stück ist ein kraftvolles Ergebnis der Arbeit eines jungen, selbstorganisierten Kollektivs aus Genf. Die Gruppe besteht aus Personen zwischen 20 und 26 Jahren, mehrheitlich von Sexismus betroffen, darunter sowohl professionelle als auch amateurische Theaterschaffende. Gemeinsam haben sie einen Raum geschaffen, in dem über Körper, Sexualität und strukturelle Gewalt gesprochen wird.
Mit Gesang, Chor und Monologen erzählen sie von Erfahrungen, die sonst zu oft unsichtbar bleiben: Schmerz, Lust, Scham, Auflehnung, Solidarität. Dabei steht nie eine einzelne Stimme im Vordergrund. Das ganze Ensemble bleibt auf der Bühne präsent – auch im Zuhören, Zuschauen und Unterstützen.
Das Stück ist aus einer kollektiven Recherche und Schreibarbeit hervorgegangen, zunächst innerhalb des Atelier Spirale in Genf, inspiriert von der physischen Theaterarbeit à la Lecoq.
Des choses que je sais toujours ist laut, berührend, voller Energie – und gibt Stimmen zurück, die zu lange zum Schweigen gebracht wurden. Ein Stück, das nicht nur erzählt, sondern auch ermächtigt. (Elmira Oberholzer)
Dans un univers inspiré des BD de Liv Strömquist, les comédien·nes explorent leur intimité pour en faire un puissant voyage collectif. Entre politique et poésie, théâtre et chœur, cette pièce incarne leur rage d’être au monde. Le collectif POMO évolue constamment : changements de distribution, effectifs parfois réduits, nouvelles perspectives individuelles… Les récits se transforment et se réécrivent. Toujours en mouvement, Des choses que je sais depuis toujours est une œuvre militante forte, qui n’a pas peur de nommer les choses et d’aborder la politique, tout en préservant sa poésie. (Mathi Le Coultre)
Über das Kollektiv POMO (Pour Oser Mal Obéir)
Das Kollektiv POMO (Pour Oser Mal Obéir, dt. «um schlechten Gehorsam zu wagen») entstand nach der Uraufführung des Stücks «Des choses que je sais depuis toujours» im Juni 2023 und den Wiederaufnahmen im Frühjahr 2024 durch das Atelier 1 des Théâtre Spirale.
Nach 5 Jahren, 10 Jahren, 15 Jahren gemeinsamer Arbeit im Atelier sowie mehreren eigenständigen Erfahrungen wie der Organisation der Westschweizer Tournee des Stücks «Amerika» im Jahr 2018 und der Herausgabe einer Textsammlung im Jahr 2023 hat sich ein fester Kern von ehemaligen und aktuellen Teilnehmenden des Ateliers gebildet, mit dem Wunsch, auf eigenen Füßen zu stehen. Wir haben beschlossen, ein selbstverwaltetes, horizontales Kollektiv zu gründen, um das Projekt «Des choses…» fortzusetzen, begeistert von den begonnenen Diskussionen mit dem Publikum und der Vielseitigkeit unseres Theaterobjekts.
Unser Kollektiv besteht aus etwa 15 Personen zwischen 20 und 30 Jahren, die überwiegend binär geschlechtlich sind und abwechselnd spielen. Es vereint Amateur- und Berufsschauspielende. Wir möchten unsere eigenen Kreationen entwickeln, die gleichzeitig theatralisch, musikalisch und politisch sind, um über unsere Erlebnisse, unsere Intimitäten, unsere Beziehung zu anderen und zu uns selbst, sowie über die Systeme, die uns umgeben, zu sprechen. Wir versuchen, einen Raum zu schaffen, in dem es möglich ist, Erfahrungen und Fragestellungen, die uns betreffen, kollektiv zu erfassen und diesen Raum mit dem Publikum zu teilen.
*«nachgefragt» ist ein Vermittlungsangebot von fanfaluca. Gleich im Anschluss an die Vorstellung kommen Spieler:innen und Publikum am Aufführungsort zusammen, um Fragen, Feedback oder Lob anzubringen. Das Format dauert nur 15 Minuten und soll den Ball ins Rollen bringen, um sich auch noch nach Abschluss der Vorstellung über das Gesehene auszutauschen.
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